Leckageortung
Leckageortung: zerstörungsfreie Verfahren erklärt
Thermografie, Tracergas, Endoskopie, Akustik: Wie moderne Leckageortung Lecks findet, ohne dass die Wand aufgeschlagen werden muss.
„Da muss die Wand auf": Dieser Satz war früher Standard bei Wasserschäden. Heute findet eine moderne Leckageortung das Leck in den allermeisten Fällen punktgenau, ohne die Bausubstanz zu zerstören.
Warum zerstörungsfrei?
Drei Gründe: Erstens Kosten: eine punktgenaue Reparatur ist deutlich günstiger als großflächiges Aufstemmen. Zweitens Zeit: Sie müssen nicht wochenlang mit aufgerissenen Wänden leben. Drittens Versicherung: die meisten Wohngebäudeversicherer schreiben mittlerweile zerstörungsfreie Ortung vor, bevor invasive Maßnahmen erstattet werden.
Die wichtigsten Verfahren
Thermografie (Wärmebild)
Eine Infrarotkamera zeigt Temperaturunterschiede. Warme Heizungsleitungen, kalte Frischwasserleitungen, feuchte Bereiche: Alles wird sichtbar. Schnell und großflächig, ideal zur Erstdiagnose.
Feuchtigkeitsmessung
Kapazitive und Widerstandsmessgeräte messen Restfeuchte in Wänden, Böden, Decken. Liefert eine Feuchtekarte des Raums: Wo ist das Problem, wo nicht.
Akustische Ortung (Korrelator, Geophon)
Druckwasserleitungen werden mit Druck beaufschlagt, das Geräusch des austretenden Wassers wird mit empfindlichen Mikrofonen lokalisiert. Funktioniert bei aktiven Lecks, weniger bei kapillaren Schäden.
Tracergas (Formiergas)
Die Leitung wird leergedrückt, dann mit einem Wasserstoff-Stickstoff-Gemisch unter Druck gesetzt. An der Leckstelle steigt das Gas auf und wird oberhalb mit Halbleiterdetektoren nachgewiesen. Das genaueste Verfahren bei verdeckten Lecks.
Endoskopie
Über eine kleine Bohrung wird eine Mini-Kamera in Hohlräume, Schächte oder Estrich eingeführt. Hilfreich für die optische Bestätigung nach anderen Verfahren.
Rohrkamera
Bei Abwasserleitungen: eine Kamera fährt durch die Leitung und filmt von innen. Findet Risse, Verstopfungen, Wurzelbefall.
So läuft eine professionelle Ortung ab
- Schadensaufnahme und Gespräch: wann, wo, wie viel Wasser
- Sichtkontrolle und Erstmessung mit Feuchtigkeitsmesser
- Thermografie für Übersicht
- Gezieltes Verfahren je nach Verdacht (Akustik, Tracergas, Endoskopie)
- Lokalisierung und Markierung der Leckstelle
- Bericht mit Bildern und Messwerten (Grundlage für Reparatur und Versicherung)
Kosten und Versicherung
Eine professionelle Leckageortung kostet typischerweise 250 bis 800 Euro. Die Wohngebäudeversicherung übernimmt diese Kosten in der Regel vollständig. Die Ortung ist Voraussetzung für die fachgerechte Sanierung. Wichtig ist der ausführliche Leckageortungsbericht mit Bilddokumentation, den jeder seriöse Anbieter mitliefert. Im Anschluss folgen meist Sanierung und Trocknung; wer noch ganz am Anfang steht, findet hier die Erste-Hilfe-Checkliste.
Häufige Fragen
- Was kostet eine Leckageortung?
- Je nach Verfahren und Aufwand 250 bis 800 Euro für einen typischen Wohnungsschaden. Bei Mehrfachverfahren oder schwierigen Schäden auch mehr. Die Kosten trägt in der Regel die Wohngebäudeversicherung.
- Wie schnell findet man ein Leck?
- Bei klaren Schadensbildern oft innerhalb von 1 bis 2 Stunden. Bei versteckten Lecks (kein sichtbares Wasser, nur erhöhte Feuchtigkeit) braucht es ein Verfahren oder eine Kombination (meist halber bis ganzer Tag).
- Was ist Tracergas?
- Eine Mischung aus Wasserstoff (5 %) und Stickstoff (95 %), die in die leere Leitung gepresst wird. An der Leckstelle tritt das Gas aus und wird mit empfindlichen Detektoren oberhalb des Bodens nachgewiesen, punktgenau und ohne Bauschaden.
- Wann muss doch geöffnet werden?
- Wenn das Leck punktgenau lokalisiert wurde und die Reparatur ansteht. Eine moderne Leckageortung reduziert die Öffnung auf einen Punkt von wenigen Zentimetern statt großflächigem Stemmen.
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